Wednesday, December 14, 2005

Referat: Franz Boas, Margaret Mead, Ruth Benedict:

Franz Boas:

Franz Boas ist 1858 in Minen in Westfahlen geboren. Er stammte aus einer jüdisch- deutschen Familie. Sein Onkel war der Kinderarzt Abraham Jacobi, der wegen seiner Aktivitäten bei der demokratischen Revolution von 1848 nach Amerika auswanderte. Franz Boas war schon in seiner Jugend interessiert an fremden Völkern und deren Sitten.

Boas studierte in Heidelberg, Bonn und Kiel: Geographie, Mathematik und Physik.
Er war sehr patriotisch, nationalistisch und liberal. „Ich bin jüdischer Abstammung, aber im Fühlen und Denken bin ich Deutscher“ Boas trat der Burschenschaft „Alemannia“ bei

Im Oktober 1882 zog er nach Berlin, um sich dort intensiv auf eine Teilnahme an einer Forschungsexpedition in die nördlichen Polargebiete vorzubereiten. Noch im Monat seiner Ankunft nahm er an der Oktobersitzung der ,,Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte" teil, wo er erstmals mit den, für sein Vorankommen in der Konkretisierung seiner Pläne relevanten Adolph Bastian (1826-1905) und Rudolf Virchow (1826-1905), dem Pathologen, Archäologen und Anthropologen an der Berliner Friedrich-Wilhelm-Universität, zusammentraf. Er trat der ,,Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte", sowie der ,,Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin" bei, und nahm zur Behebung finanzieller Engpässe eine journalistische Tätigkeit beim Berliner Tagblatt auf.

1883-84: Erste Feldforschung der Inuit in Kanada („The Central Eskimo“ 1888)

1886 emigrierte er in die USA. (wegen Antisemitismus, politischer Unzufriedenheit, Faszination an USA)

Boas begründete die Kulturanthropologie in den Vereinigten Staaten. Bekannt geworden ist er durch seinen Kulturrelativismus als Gegenströmung des Evolutionismus.
-> Jede Kultur ist relativ und nur aus sich selbst heraus zu verstehe. Damit betont er die Vielfalt und Unterschiedlichkeit von Kulturen. Jede Kultur ist das Resultat einer besonderen Geschichte und Entwicklung und somit einzigartig. Aus diesem Grund ist kein Vergleich zweier Gesellschaften möglich. Das Verhalten eines Volkes wird nicht wesentlich durch biologische Abstammung bestimmt, sondern durch seine Kultur und Tradition. -> historischer Partikularismus. Es war für ihn sehr wichtig, die Kultur als funktionales Ganzes zu betrachten. (holistisches Vorgehen)

Alle Kulturen haben die gleiche Fähigkeit, aber Kontext und Umwelt prägen und formen. Kultur wird als vom Menschen Gelebtes betont. (Kultur wird durch unser Tun bestimmt)

Boas kritisierte die „Armchair“ Anthropologen und intensivierte die ethnographischen Feldforschungen.

Er forschte an der NW-Küste Nordamerikas (Seattle) und war Spezialist der Kwakiutl.

Kwakiutl: Sind Wildbeuter, aber sesshaft. Haben einen hohen Lebensstandard. Üppige Holzhäuser mit berühmten Holzpfählen, entwickeltes Kunsthandwerk: Masken, Schmuck, Boote, Schnitzereien und Rituale : POTLATCH: Potlatch bedeutet übersetzt „geben“ und ist ein Geschenkritual der erwachsenen Männer. Bei einem Potlatch verteilt der Gastgeber Geschenke an die Gäste in der Hoffnung, nach einiger Zeit Gegengaben zu erhalten. Die verteilten Geschenke sollen dabei den Reichtum des Gastgebers demonstrieren und sein soziales Prestige erhöhen. Ansehen und Prestige steht über Materiellem auch wenn es Ruin bedeuten kann.

Der Evolutionismus beschreibt Wildbeutergesellschaften (Jäger und Sammler) immer als unterste Entwicklungsstufe mit einem harten Leben, ohne Luxus, wo nur der tägliche Kampf ums Überleben herrscht. Boas fand aber bei den Kwakiutl eine ganz andere Situation. Somit fiel Boas die Unstimmigkeit von Lewis Henry Morgans Theorie auf.

Bei den Kwakiutl herrscht eine starke innere Hierarchie mit Ansätzen von Sklaverei. (nehmen Essensräuber als Kriegsgefangene: -> Sklaventum bei Jäger und Sammler) „The Social Organisation and the Secret Societies of the Kwakiutl Indians” (1895)

1899 wurde er Professor an der Columbia University. 2 Grundgedanken seiner Schule waren:

1. „Kultur ist wie Sprache“: Man kann eine Sprache nur verstehen, wenn man sie gelernt hat. Genauso ist es mit der Kultur.
Die jeweilige Sprache stelle den Zugang zu einer bestimmten Kultur dar.
In ihr spiegelt sich die Mentalität einer Gesellschaft (Kultur) wider.
(à Sprache = Spiegel der Kultur. Sie prägt den Menschen).Deshalb sei das Erlernen der Sprache, das Beherrschen typischer Ausdrücke und Redewendungen die Pflicht des Ethnologen (obligatorisch!).

Laut Gingrich war Boas kein großer Meister der ethnographischen Feldforschung. Bei ihm drehte sich alles nur um Sprache. Aber seine Auseinandersetzungen mit der Sprache waren ein wichtiger Schritt für die Feldforschung. -> man muss sich bemühen, die Sprache zu lernen – die dort, wo man Feldforschung betreiben will, gesprochen wird.

2. Die amerikanische Alternative zur Völkerkunde: „Four field approach“ (biologische-, archäologische-, linguistische- und soziokulturelle Anthropologie

1911: „The mind of primitive man“

Franz Boas war ein unermüdlicher Kämpfer für sein Geburtsland, als es nach dem 1.WK am Boden lag. Mit dem Aufkommen des Natinalsozialismus in Deuschland began er, sich gegen den Rassismus auszusprechen. Er sagte, dass er sich für Deutschland schäme.

1940: „Race, Language and Culture“

Kurz vor seinem Tod in New York 1942 schrieb er: “was ich tue, tue ich aus Liebe zu Deutschland und in der Überzeugung, dass der Wahnsinn, der sich de Volkes bemächtigt hat, nicht andauern kann”

Kritik an Boas:
Er ließ keine sinnvollen Verallgemeinerungen der Ethnologie zu.
Boas stellte keine neuen Theorien auf, er kritisierte nur die Alten. Er war zu theorienfeindlich.
Franz Boas starb im Dezember 1942 in New York.


Ruth Fulton Benedict:

Ruth Fulton ist im Juni 1887 in New York geboren. Sie studierte zunächst an einer Frauenuniversität (Vassar College) und unterrichtete an einer Mädchenschule in Kalifornien.

1914 heiratete sie Stanley Benedict und ging mit ihm nach New York. 1921 wurde sie von Franz Boas zum anthropologischen Studium an der Columbia Universität zugelassen. 1923 reichte sie ihre Dissertation ein. Danach blieb sie an der Universität, erhielt aber erst viel später eine volle Professur. (2 Monate vor ihrem Tod)

Ruth Benedict war eine der Begründerinnen der amerikanischen Anthropologie und unternahm ausgedehnte Reisen zur Untersuchung der Zuni, Serrano, Cochiti, Pima und Hopi Indianer im Südwesten von den Vereinigten Staaten.

In ihrem bekanntesten Werk „Patterns of culture“ vergleicht Benedict drei Völker:

1.Die Zunis in New Mexico
2. Kwakiutl (von Boas erforscht)
3. Dubuans in Melanesien

Sie kam zu dem Schluss, dass das was in einer Gesellschaft als normal angesehen wird, in der anderen nicht normal ist. Normalität ist also immer an eine spezifische Kultur gebunden. Sie plädierte für kulturelle Pluralität und Wertefreiheit. Jede Kultur entwickelt eine begrenzte Anzahl von „Themen“, „Mustern“ (patterns), welches vor allem das Fühlen und Denken ihrer Mitglieder prägt. In jeder Kultur findet sich laut Benedict ein idealer Persönlichkeitstypus. Daraus folgt, dass die Kultur und Persönlichkeit einer Gruppe von Menschen in relativ reduzierten Termini beschreibbar ist. (unter Umständen nur ein Wort)

-> Beschreibung der drei untersuchten Ethnien:

Zunis: Benedict beschrieb die Zunis also appollinisches Volk. D.h. sie führen ein geordnetes, friedvolles Leben. Sie haben bestimmte Kulte des Heilens, der Sonne, des Todes, des Krieges usw. Diese Zeremonien sind von großer Bedeutung und werden genau eingehalten, da etwaige Fehler nachteilige Konsequenzen für sie haben könnte. (Bsp. von Alan Barnard in "Histroy and Theory in Anthropology": Wenn der Priester das Gebet für den Regen falsch sagt, kann es passieren, dass es im Sommer eine Trocken- und Hitzeperiode geben wird.)
Das Leben ist in jedem Sinne in strengen Regeln gehalten. Es sollten z.B. zwischen Mann und Frau keine tiefen Gefühle herrschen, denn das würde die Regel des „sauberen Verhaltens“ brechen. Die Zunis unterscheiden nicht zwischen Gut und Böse, Dinge sind einfach so wie sie sind.

Kwakiutl: Ist genau der Gegensatz zu Zunis. Sie beschreibt sie mit der Bezeichnung „dionysisch“ (exzessiv, leidenschaftlich). Bei den Kwakiutl steht Rivalität uns Streitlust im Vordergrund. Der Potlatch ist u.a. ein Ausdruck dionysischer Elemente. In ihren Zeremonien spielt Trance eine bedeutende Rolle. Der Tänzer wird mit Seilen festgehalten, damit er kein Unheil anrichtet.

Dobuans: Die höchsten Tugenden bei den Dobuans sind Verrat und Feindschaft. Bsp.: Aus Alan Barnard’s „History and Theory in Anthropology“:
„Ein Bursche schläft mit einigen Mädchen hintereinander. Eines Morgens wacht er auf, und die Mutter des Mädchens, bei dem er gerade geschlafen hat, steht in der Tür ihrer Hütte. Sie gibt ihm einen Grabstock, dass er für sie zur Arbeit geht. Das heißt, dass er verheiratet ist! Es spielt jedoch keine große Rolle, weil bei den Dobuans fast jeder Ehebruch begeht. Wenn es herausgefunden wird kommt es zu Kämpfen, gebrochenen Kochtöpfen und Selbstmordversuchen.“

Hexerei spielt bei den Dobuans auch eine wichtige Rolle. Wenn jemand z.B. eine schöne Süßkartoffelernte hat, hat er Hexerei gegen die angewendet, die keine gute Ernte hatten.
Die Dobuans leben in ständiger Angst voreinander. Dies ist für sie normal.

Kritik an Benedict:

- Benedict hat kaum eigene Feldforschung betrieben, stattdessen nahm sie Material von anderen: für Dobuans Reo Fortunes´ Material, für die Kwakitul Franz Boas´s Material.
- Benedict stereotypisiert, übertreibt und lässt Sachen aus, mit dem Ziel ihre Thesen zu stützen.

Ruth Benedict starb im September 1948 in New York.

Andere Werke:
Race - Science and Politics (1940)
The Chrysanthemum and the Sword - Patterns of Japanese Culture:


Margaret Mead:

Mead ist am 16.12.1901 in Philadelphia geboren. Sie studierte an der Columbia University bei Franz Boas. Mead gilt als eine der entschiedensten Vertreterinnen des Kulturrelativismus im 20. Jahrhundert. Sie vertrat die Auffassung, dass Sozialverhalten formbar und kulturbestimmt sei.

1925 schickte sie Boas alleine nach Samoa. Er gab ihr strikte Anweisung, keine umfassende Studie der Lebensweise von Samoanern zu unternehmen, sondern sich ausschließlich mit dem Verhalten der heranwachsenden Mädchen zu beschäftigen. Ziel dieses Projektes war es, zu überprüfen, ob das Heranwachsen (coming of age) bei den Samoaner mit den gleichen emotionellen Turbulenzen verknüpft ist wie bei jungen Amerikanern.

Mead meinte, dass vorehelicher Sex ohne Liebesverhältnis als normal angesehen wurde, und dass jugendliche Rebellion nicht existierte. Dies alles beschreibt sie in dem Buch „Coming of Age in Samoa“, welches stark, besonders von Derek Freeman, kritisiert wurde:

Sie beschränkte sich auf eine Beobachtungszeit von nur wenigen Monaten, befragte nur eine kleine Gruppe samoanischer Mädchen über ihre Pubertätserfahrungen, verzichtete darauf, deren Aussagen zu überprüfen, und sammelte nur die Informationen, die sie hören wollte.

Auf ihren Forschungsreisen im Jahr 1931 nach Arapesh, Tchambuli und Mundugumor auf Neuguinea beschäftigte sich Mead primär mit der Rolle der Kultur bei der Ausprägung von sozialen Rollen, insbesondere jener von "Weiblichkeit" und "Männlichkeit". Die von ihr untersuchten Völker entsprachen in keinster Weise den biologistischen Zuordnungen von dem, was in der westlichen Welt als typisch "weiblich" und "männlich" gilt/galt.
D.h. die Geschlechterrollen seien kulturell bedingt und nicht genetisch vorgegeben.

Während des Zweiten Weltkrieges musste sie ihre Forschungsreisen in die Südsee unterbrechen, wodurch sie sich jedoch nicht von weiteren Forschungstätigkeiten abhalten ließ. Gemeinsam mit Ruth Benedict wandte sie früh anthropologische und ethnologische Methoden zur Erforschung moderner Kulturen an. Um ihre Vergleiche zwischen den Kulturen zu vertiefen und weitere Forscher zu solchen Vergleichen zu animieren, gründeten die beiden Ethnologinnen das Institute for Intercultural Studies.

Insgesamt erforschte Mead sieben Kulturen im Südpazifik. Sie war Professorin der American Museum of Natural History in New York und Präsidentin der American Anthropological Association und der American Association for the Advancement of Science. Sie erhielt 28 Ehrendoktorate von Universitäten weltweit und schrieb mehr als 40 Bücher und über 1000 wissenschaftliche Artikel.

Kritik an Mead:
Mangelnde Sprachkenntnisse bei ihrer Feldforschung in Samoa
Und die anderen Dinge, die ich oben erwähnt habe. (Derek Freeman)

Andere Werke:
1930 Growing up in New Guinea
1935 Sex and Temperament in Three Primitive Societies
1949 Male and Female: A Study of the Sexes in a Changing World

Monday, November 21, 2005

Bergant Kathrin
Tutorium zu "Einführung in die Geschichte der KSA
Arbeit über:

Emile Durkheim (1858 – 1917) -
Sein Leben, seine Werke, sein Einfluss.

Sein Leben: (für das bessere Verständnis möglicher Zusammenhänge)

Emile Durkheim wurde am 15. April 1858 in Épinal (Lothringen) geboren. Da er ursprünglich Rabinner werden sollte studierte er neben der Schule Hebräisch, das Alte Testament und den Talmud. In seinen Jugendjahren wendete er sich jedoch vom Judentum ab.
Er studierte Philosophie an der École Normale Supérieure in Paris und unterrichtet anschließend am Lycée in Sens, Yonne, dann in Saint-Quentin, Aisne, zuletzt in Troyes, Aube. 1885-1886 war er in Deustchland aufgrund eines Studiums in Soziologie und Pädagogik. 1887 – 1902 lehrte er in Bordeaux Pädagogik und Soziologie.
Er gründete die Zeitschrift „Année Sociologique“, welche Themen, wie Wirtschaftssoziologie, Rechtssoziologie, Humangeographie und Moralsoziologie beinhaltet. Die Zeitschrift übernahm viele Funktionen einer modernen Forschungsindustrie.
1906 erhielt er an der Pariser Universität Sorbonne den Lehrstuhl für Erziehungswissenschaft.
Am 15.November 1917 starb er an den Folgen eines Schlaganfalls in Paris.

Durkheim war beeinflusst von :
- W. Robertson Smith („Arabian clan system“ war ein wichtiger Input für seine Theorie
über den Totemismus)
- Charles Renouvier
- Numa Denis Fustel de Coulanges („Ancient Society“) war wichtig für seine Arbeiten über Religion

Seine Werke:

a) Das bekannteste Werk Durkheims heißt „Le suicide“ („Der Selbstmord“,1897). Dies ging in die Geschichte als erste soziologische, empirische Studie ein. Auch heute ist das Werk für wissenschaftliche Untersuchungen noch bedeutend. Er untersuchte die Selbstmordraten der Protestanten und Katholiken, in Städten und am Land etc. In diesem Werk prägt er den Begriff der Anomie:

„Der Rückgang von religiösen Normen und Werten führt nach Durkheim unweigerlich zu Störungen und zur Verringerung sozialer Ordnung. Aufgrund von Gesetz- und Regellosigkeit sei dann die gesellschaftliche Integration nicht länger gewährleistet. Diesen Zustand nannte Durkheim anomie, die beim Individuum zu Angst und Unzufriedenheit führen müsse, ja sogar zur Selbsttötung führen könne ("anomischer Suizid").“ [1]

b) Ein weiteres wichtiges Werk (seine Dissertation) lautet „De la division du travail social“ („Über die Teilung der sozialen Arbeit“,1893).

Wichtige Fragen dabei waren:

- Was prägt unsere heutige Industriegesellschaft?
- Was unterscheidet sie zu anderen Gesellschaften?
- Wie wird eine Masse an Individuen eine Gesellschaft
- Wie wird soziale Ordnung hergestellt?

Er beantwortete diese Fragen mit „Arbeitsteilung“. Der Grad der Arbeitsteilung ist in traditionellen und modernen Gesellschaften unterschiedlich.
Vergleichende Übersicht mechanischer und organischer Solidarität:

"Mechanische Solidarität:

▪ Geringe Arbeitsteilung (einfache, ähnliche Arbeitsteilung)
- ausgeprägtes kollektives Bewußtsein
- Bewußtsein deckt sich mit dem individuellen Bewußtsein
- Individuum ist unselbständiger Teil der Gesellschaft Direkt mit Gesellschaft verbunden
▪ Der Staat ist stark wie das Individuum schwach ist.
▪ Strafrecht dominiert

Organische Solidarität:

Ausgeprägte Arbeitsteilung (Spezialisten)
- kollektives Bewußtsein bei Erfüllungvon Spezialaufgaben nicht mehr present aber:
- Individuum ist partizipativer Teil der Gesellschaft
- Über Assoziation mit Gesellschaft verbunden
- Freiwillige, auf Interessen abgestimmte Zusammenarbeit
▪ Stärke des Staates wächst mit der Stärke des Individuums
▪ Privatrecht dominiert" [2]

Er meint eine Gesellschaft sei mehr als nur die Individuen, welche zu ihr zählen. (Individualismus) Die Arbeitsteilung sei ein unbeherrschbares Geflecht von Ursache und Wirkung. In der mechanischen Solidarität herrsche eine einfachere, überschaubarere Arbeitsteilung als in der organischen Solidarität. Außerdem würde der Zusammenhalt in der mechanischen Solidarität aufgrund der gemeinsamen Geschichte (= gemeinsame Identität) besser funktionieren. In der organischen Solidarität könne jeder Einzelne seine vollständigen Bedürfnisse nicht abdecken und ist somit auf andere angewiesen.
Für ihn ist der Mensch zwar eigenständig, jedoch trotzdem ein Produkt der Gesellschaft.

c) Sein Werk « Les formes élémentaires de la vie religieuse » („Die elementaren Formen des religiösen Lebens“, 1912) war in seiner ganzen Arbeit die „Anthropologischste“. Er schrieb in diesem Werk gegen philosophische Rationalisten und Empiristen, auf Psychologen die sich auf das Einzelne bezogen (Individualpsychologen) und gegen britische Religionsanthropologen. [3]
Er vereint drei Untersuchungsebenen:

- Studie über primitive (einfachster, sozialer Zustand einer Gesellschaft) Formen der
Religion
- allgemeine Theorie der Religion
- Beitrag zur Soziologie des Wissens

Sein Ausgangspunkt ist der Totemismus (Ursprungsform der Religion - in Australien). Dies bedeutet das Studieren alter, religiöser Formen um die entwickelteren Formen (heutzutage) besser verstehen zu können.

„Durkheim beschreitet mit seinem Werk ‚Die elementaren Formen des religiösen Lebens’ einen anderen Weg als in seinen anderen vorhergehenden Werken...“ „Er untersucht hier statt der Strukturformen moderner Gesellschaften die Struktur und Entwicklung von Wertsystemen, wobei er im Hinblick der Religion anscheinend zwei Ziele anstrebte. Er wollte "ein analytisch tieferes und empirisch gehaltvolleres Verständnis von Religion entwickeln" [4]

Nach Durkheims Definition ist Religion die „Moral“ der Gesellschaft. Man nützt die Religion um das Wertesystem aufrechtzuerhalten. Jedes Land hat somit bestimmte Ideologien, die sie durch die Religion ausüben.

Er unterscheidet zwischen dem „Heiligen“ (sakral) und dem „Profanen“.

- sakral: ▪ Magie, Religion
▪ Religion ist gesellschaftsbildend
▪ man kommt für gleiche Werte zusammen

- profan: ▪ Wissenschaft
▪ Individuelle Ideen/ Vorstellungen

Er wollte im Buch beweisen, dass es in jeder Gesellschaft Spannungen zwischen sakral und profan gibt.

Andere Werke:
- Sociology and Philosophy
- Primitive Classification
- Moral Education
- The Rules of Sociological Method

Sein Einfluss:

▪ Er war Begründer der Soziologie als empirische Wissenschaft mit eigener Methode (siehe a) „Der Selbstmord“)

Durkheims Ziele waren: -Soziologie als Fachdisziplin an Universitäten in Frankreich
- Entwicklung einer neuen Moral
- Die moderne Gesellschaft zu diagnostizieren

▪ Er beeinflusste:

- den britischen Funktionalismus (Bronislaw Malinowski, Alfred Radcliffe-Brown) u.a. mit
dem Werk „Über die Teilung der sozialen Arbeit“,
- den französischen Strukturalismus (Marcel Mauss, Arnold van Gennep)
- den amerikanischen Kulturrelativismus (Franz Boas)

▪ Durkheim-Schule (Neffe: Marcel Mauss, Maurice Halbwachs,…)

▪ Durch René König hatte Durkheim auf die „Kölner Schule“ starken Einfluss. König bezog sich in seiner Habilitationsschrift "Kritik der historisch-existenzialistischen Soziologie" (1975) auf Durkheim. („Problem der Moral“ )

▪ Bei der Staatenbildung in Kemalist (Türkei) bezogen sie sich auf Durkheim




[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Anomie runtergeladen am 21.11.05
[2] http://infosoc.uni-koeln.de/fs-soziologie/texte/MakroSS98/Durkheim_Arbeitsteilung.htm runtergeladen am 21.11.05
[3] Parkin, Robert: The French Speaking Countries, One Discipline, Four Ways: British, German, French and American Anthropologie; Chicago 2005, S.173
[4] Müller H.-P. über "Émile Durkheim" in Käsler Dirk [Hrsg.] ,,Klassiker des soziologischen Denkens", 1. Band, 1976 München, S.162.

Tuesday, November 08, 2005

Hallo!